Riesling Sonntag am 31. Mai 2026

Für die Weinbruderschaft Collegium Vinum war der 31. Mai ein besonderer Sonntag. Der Weltuntergang am 30. Mai, den ein altbekannter Schlager mit Galgenhumor besingt, ging unbeschadet am Vortag vorüber. So stand dem Genuss des Königs der Weißweine, dem Riesling, nichts mehr im Wege, und die Weinbruderschaft konnte sich freudig einem der schönsten Dinge des Lebens, dem Genuss dieser aus der edlen Rebe von kundiger Hand der Kellermeister ausgebauten Weine hingeben. Der Genuss steht jedoch nicht für sich allein, sondern ist eingebunden in Diskussionen, Gespräche und Bewertungen der verkosteten Weine. Zu erleben ist eine Reise durch die deutschen Anbaugebiete, ein Erkunden des Terroirs, der Versuch, die Tür des Kellers zu öffnen und auf die Hand des Kellermeisters zu schauen, mit welchem Geschick und Gefühl er die gelesenen Reben zu den nun im Glase stehenden Tropfen ausgebaut hat. Kurzum: mit kriminalistischer Sensorik die Wahrheit des Weines erkunden.

Manch einer stellt sich die Frage: Ist die Bezeichnung „König der Weißweine“ nicht ein wenig überzeichnet? Warum gerade Riesling und kein anderer aus der Vielfalt der Weißweine? Die Verkostung belegte es deutlich: Riesling vereint wie keine andere Rebsorte Eleganz, Langlebigkeit und Terroir zu einem harmonischen Weingenuss. Die Säurestruktur hält jeden vom trocken ausgebauten Wein bis hin zum edelsüß ausgebauten Wein lebendig. Die Fähigkeit der Kellermeister erzeugen Riesling Weine mit Charakter, Tiefe und prägen die Herkunft. Nicht ohne Grund sind die Weine vom Rheingau weltberühmt. So wurde sogar für einen 100 Jahre alten Riesling aus der Schatzkammer des Schloss Johannisberg 18000€ bezahlt oder für eine 6 Liter Großflasche bei der diesjährigen Weinversteigerung 12000€ des 2023er Riesling vom Weingut Robert Weil geboten.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Dies sind nicht die Weine, die vom Collegium Vinum verkostet werden. Die Mitglieder entdecken ihre Winzer und Weingüter gezielt oder auf individuellen Weinreisen, im Gespräch mit den Winzern, bei der Verkostung im Weinkeller und nicht zuletzt auch im Regal einer Weinhandlung. Bevorzugt werden hauptsächlich trockene bis halbtrockene Weine.

Die sonntägliche virtuelle Riesling-Weinreise führt das Collegium Vinum nach Guntersblum in Rheinhessen. Der vollmundige, kräftige, trockene Wein von alten Reben der Guntersblumer Kreuzkapelle präsentierte sich überzeugend. Erfrischend, harmonisch ausgewogen mit den typischen Riesling Aromen nach grünem Apfel, Pfirsich und einem Hauch Limette verwöhnte der im Edelstahltank ausgebaute trockene Riesling aus Weinolsheim die Zunge. Goldgelb fast schon golden im Glas überzeugte der im Alter gereifte 2019er feinherbe Riesling aus Ellerstadt in der Pfalz. Der schlanke, einfache, zu stark säurebetonte Riesling von Bernkastel an der Mosel aus dem Jahr 2025 konnte gegen den ausgewogenen, harmonischen Riesling aus alten Reben des gleichen Jahrgangs und dem Riesling der Trierer dunklen Schiefersteillage mit ausgeprägtem mineralischen Aroma nicht mithalten. Bewusst wurden die Weine des Rheingaus als Höhepunkt gewählt. Das Mikroklima des mittleren Rheingaus mit seinen typischen wärmespeichernden Tonschiefer und Löss-Lehm Böden, die durchsetzt sind mit Taunus-Quarzit, dem idealen Terroir für Riesling Reben, sind die Basis für Winzer, hervorragende Riesling Weine zu erzeugen. Die im Wein transportierte Mineralität, die Fruchtaromen nach Apfel, Pfirsich, Maracuja, Nektarinen und Orangen eingebunden in die harmonisch, würzige Säure erzeugen ein faszinierendes Spiel an Zunge und Gaumen, wovon die Weine aus Martinsthal, Erbach und Oestrich-Winkel die Weinbruderschaft überzeugen konnten.
Schlussendlich konnte die Weinbruderschaft Collegium Vinum nur bekräftigend bestätigen, dass dem Riesling Wein die adlige Bezeichnung König der Weißweine gebührt.
Zusammengefasst, am 11. Juni 2026
Wolfgang Gottwald

