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350 Jahre für den Wert des Weines und der Würde der Gemeinschaft

Gepostet am Jan. 20, 2026 von in Allgemein |

Festlicher Ordenstag des Collegium Vinum zwischen Ritual und Rebe: „Wein. Geschichte. Leidenschaft“

Am Sonntag,  18. Januar 2026, versammelte sich die Weinbruderschaft Collegium Vinum in Seligenstadt, um einen bemerkenswerten Meilenstein zu feiern: den 350. Ordenstag. In seiner Eröffnungsrede betonte Brudermeister Rudi Rack, dass Wein weit mehr sei als ein bloßes Getränk – er sei Ausdruck von Kultur, Gespräch und Gemeinschaft. Das Collegium Vinum versteht sich dabei nicht als gewöhnlicher Verein, sondern als ein überschaubarer Kreis von Menschen, die Wein nicht nur genießen, sondern verstehen wollen. Geduld, Neugier und Respekt sind dabei unverzichtbar, denn Wein folgt keinem Befehl; er belohnt Aufmerksamkeit.

Brudermeister Rudi Rack
Brudermeister Rudi Rack

Die Bruderschaft blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1676 reicht, erinnerte der Brudermeister. Obwohl Kriege und Zerstörung – wie die Vernichtung von Worms – vieles unwiederbringlich zerstört haben, blieb der Geist erhalten. Im Rhein-Main-Gebiet wurde die Bruderschaft traditionsbewusst, aber zugleich lebendig neu belebt. Dabei steht nicht Masse, sondern bewusste Auswahl im Vordergrund: Echte Gemeinschaft braucht Nähe, und Nähe kann nur in überschaubaren Kreisen entstehen. Die Leidenschaft der Mitglieder gilt dem deutschen Wein – nicht aus Patriotismus, sondern aus Überzeugung. Deutsche Weine zeichnen sich durch Herkunft, Charakter und Zeit aus, und genau diese Eigenschaften spiegeln die Werte der Bruderschaft wider. Mitglieder des Collegium Vinum treffen sich, um zu verkosten, zu diskutieren, zu lernen und gemeinsam Freude zu erleben. Die Bruderschaftsmedaille, Ornate und Rituale sind dabei kein Ausdruck von Eitelkeit, sondern zelebrieren die Geschichte und das Maßhalten. Mitglied zu sein, bedeutet Genuss, aber auch Verantwortung: für Wissen, Haltung und Stil – alles ehrenamtlich und aus Überzeugung. Rack schloss seine Rede mit dem bejahenden Ausruf „Ergo bibamus!“ – Lasst uns trinken!

stellvertretender Brudermeister Edgar Rosenberger

Nach dem anerkennenden Grußwort des stellvertretenden Brudermeisters Edgar Rosenberger ließ Kellermeister Wolfgang Gottwald das Weinjahr 2025 Revue passieren. Besonderes Augenmerk lag auf dem Silvaner, einer ehemals bedeutenden, heute jedoch seltener gewordenen Rebsorte. Bis in die 1970er-Jahre war der Silvaner die meistangebaute Rebe Deutschlands, insbesondere in Franken und Rheinhessen. Heute sind nur noch rund 4.400 Hektar bestockt, doch die Qualität dieser Weine hängt stark von Lage, Boden, Pflege und Ausbau ab. Herausragend bewertet wurde der trockene Jahrgang 2022 aus der Lage Rücker-Schalk vom Weingut Giegerich in Großwallstadt. Weitere exzellente Silvaner stammen überwiegend aus Franken, etwa von Jürgen Simon, Neder, Baldauf und Emmerich. Rheinhessen war durch Weingüter wie Schauf und die Staatliche Weindomäne Oppenheim vertreten. Neben dem Silvaner überzeugten insbesondere zwei Spätburgunder: der Höhnstedter Kreisberg 2020 vom Weingut Born aus Saale-Unstrut sowie die Spätburgunder-Spätlese 2020 der Genossenschaftskellerei Flein-Talheim. Diese Weine sowie der Silvaner von Giegerich wurden als Jahrgangsbeste ausgezeichnet. Die Verkostung umfasste darüber hinaus weitere deutsche und europäische Weine, darunter Riesling aus dem Rheingau, Grauburgunder aus Pfalz und Kaiserstuhl, Sauvignon Blanc aus Rheinhessen sowie internationale Weine aus Italien und Sizilien. Besonders hervorgehoben wurden der Vin Santo del Chianti (Toskana) und ein Carricante vom Ätna. Das Weinjahr 2025 bestätigte erneut die Bedeutung von Terroir, handwerklichem Ausbau und nachhaltiger Bewirtschaftung, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen des Klimawandels. Das Collegium Vinum fühlt sich in seiner Ausrichtung auf regionale Stärken und die Wiederentdeckung traditioneller Rebsorten bestärkt, unterstrich der Kellermeister. Die Bruderschaft zeige, dass Wein weit mehr sei als ein Getränk: Er ist Spiegel von Kultur, Ausdruck von Gemeinschaft und ein Medium, das Tradition und Innovation miteinander verbindet.

Kellermeister Wolfgang Gottwald
Kellermeister Wolfgang Gottwald

Der 350. Ordenstag fand seinen feierlichen Höhepunkt in einer Degustation der ‚Lieblingsweine‘, bei der die edlen Tropfen nicht nur verkostet, sondern auch fachkundig analysiert und bewertet wurden. Begleitet wurde das Erlebnis von einem festlichen Menü, das den Anlass würdig und genussvoll abrundete.