Vorfreude auf ein genussvolles Jahr im Zeichen des Silvaners

Weinbruderschaft feiert 349. Ordenstag / Aufschlussreiche Erkenntnisse über Zukunftsreben / Jubiläumsjahr in Planung
Herzlich war die Begrüßung zum 349. Ordenstag des Collegium Vinum. Wen man die Weinpassion pflege, sei das zu Neudeutsch eine „Win-Win“-Situation, denn mitgeteilter Weingenuss sei doppelter Genuss, unterstrich Brudermeister Rudi Rack zur Begrüßung. Alljährlich werde Rückschau auf das abgelaufene Weinjahr gehalten, die Rack diesmal, ohne auf die Regionen einzugehen, knapp hielt: „Eines ist sicher, 2024 wird den Winzerinnen und Winzern als ausgesprochen arbeitsintensiv und anspruchsvoll in Erinnerung bleiben. Spätfröste, Niederschläge und wechselhaftes Wetter während der Weinlese erforderten starken Einsatz und höchste Flexibilität.“ Dafür seien die Erzeuger am Ende bundesweit mit beachtlichen Traubenqualitäten belohnt worden. Der 2024er Weinjahrgang bringe daher frische, lebendige Weine mit ausgeprägter Frucht hervor. Die kontinuierliche Genussreise des Collegiums werde vom Kellermeister Wolfgang Gottwald akribisch protokolliert und festgehalten. Dazu gehöre der traditionelle Jahresrückblick. Für diese Fleißarbeit dankte der Brudermeister und überreichte ihm ein Weinbrevier.
„Unsere Jahressentenz 2025 widmet sich der klassischen deutschen Rebsorte Silvaner. Er stammt auch nicht aus Transsylvanien, wie „Kenner“ behaupten. Die Rebsorte ist seit mehr als 350 Jahren in Deutschland unterwegs. Und Rheinhessen ist das größte Silvaner-Anbaugebiet der Welt. Das Weinland am Rhein hat Silvaner-Geschichte, Silvaner-Kultur und klasse Silvaner-Weine. Man hat beim Silvaner lange geglaubt, dass es sich um eine eigenständige, autochthone Sorte handelt. Die Wissenschaftler führen den Silvaner jedoch auf eine Kreuzung von Traminer x Österreichisch weiß zurück. Nicht umsonst wird der Silvaner noch heute vor allem in Rheinhessen von den Winzern oft auch als „Österreicher“ bezeichnet“, erklärte Rudi Rack. „Gerade nach der Riesling-Renaissance und dem anhaltenden Hype um den Sauvignon Blanc hat auch der Silvaner das Zeug, wieder mehr von sich reden zu machen, weil er ein klares, regionales Profil zeigt und sich wohltuend von den 0815-Weinstilen moderner Weißweine abhebt. Zudem gilt der Silvaner als Gewinner im Klimawandel. Dennoch brauche der Silvaner große Sensibilität in Weinberg und Keller. Der Silvaner verzeihe nichts: „Er gilt als Visitenkarte für die Kellerkunst. Wer guten Silvaner macht, der schafft den „Rest“ des Programms mit Bravour.“
Rudi Rack rief dazu auf, die Weine und das Leben zu genießen und wünschte ein ereignisreiches, lehrreiches Weinjahr voller Hochgenüsse.
„Die Jahres-Sentenz 2023 „Stilwandel mit PIWI – Weinen?“ wies bereits auf 2024 hin, nämlich auf den Begriff „Zukunftsweine“, rief Kellermeister Wolfgang Gottwald in Erinnerung. Der Jahresbeginn mit dem 348. Ordenstag startet mit einem Highlight: eine honorige Abordnung der „Madeira Enogastronomic Confraternity“, der Weinbruderschaft aus Madeira, genießt unsere Gastfreundschaft, unsere Weine und im Gegenzug dürfen wir mitgebrachte Weine aus Madeira verkosten. Es wurde deutlich, dass Weinkultur über Jahrhunderte gewachsen ist.“
Wolfgang Gottwald berichtete über Verkostungen von Weißburgunder gegen Souvignier Gris, ein PIWI Wein, und Riesling gegen Sauvignac, ebenfalls ein PIWI. Die verkosteten Weine aus der Rebsorte Muscaris zeigten ihre aromatische Intensität und fruchtigen Aromen, sowie die ausgeprägten Noten von Muskattrauben, die der Rebsorte ihren Namen gaben.
Nachdem sich das Collegium Vinum primär mit den Weißweinsorten beschäftigt hat, wollte man Rotweine und andere Weinbaugebiete nicht außer Acht lassen. So findet sich im Languedoc eine Neuzüchtung: die Rebsorte Marselan aus dem Süden Frankreichs, die Robustheit mit aromatischer Güte verbindet. Sie ist eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache Noir. finden.
In deutschen Weinregionen finden sich Spätburgunder und dem Pinotin als PIWI Kontrahent. Die Spätburgunder (Pinot Noir) zeichneten sich durch Eleganz und Komplexität aus. Die Pinotin-Weine zeigten Wildfrucht Aromen, die an die Beerenfruchtigkeit von Regent erinnerten, während sie gleichzeitig an die Struktur von Cabernet Sauvignon aufwiesen. Als Fazit sei festzuhalten, dass viele Winzer und Weinregionen aus eigenem Antrieb oder unter dem Zwang der Klimaveränderung und der ökologischen Anforund Ziele Rebsorten entwickeln, die den Anforderungen des Klimas und der Weinproduktion gerecht werden. Wolfgang Gottwald erinnerte an den Besuch im Weingut Eva Vollmer: „Eine Winzerin, die sich diesen Aufgaben verschrieben hat, ist Frau Dr. Eva Vollmer in Mainz-Ebersheim. Eine Weinexkursion führte die Weinbruderschaft am 13. April in das Weingut Vollmer, um achkundig mehr über die Entwicklung von Zukunftsweinen zu erfahren.
Abschließend erwähnte der Kellermeister einige Highlights: Der Rote Riesling ist eine klassische Rebsorte, von der man annimmt, dass sie sogar der Ursprung des weißen Rieslings ist, der als Mutation daraus hervorging. Ein vom Weingut Allendorf aus Oestrich-Winkel (Rheingau) ausgebauter Gutswein konnte mit der hervorragenden Note 1-2 bewertet werden. Übertroffen wurde die Bewertung des Roten Rieslings vom Weingut Helde (Kaiserstuhl), der mit seiner Auslese von Muscaris eine Note 1 erhielt.
Der PIWI Solaris vom Weingut Anselmann (Pfalz) mit großem Volumen konnte als Auslese mit einer Benotung von 1-2 punkten.
Mit einer Sherry-Note konnte das Weingut Trattoria la Vialla (Toskana) mit seinem 17%igen Vin Santo , die Benotung 1-2 erreichen. Gottwald „Es hat sich somit wieder gezeigt, dass die präsentierten Weine in einer extrem guten Qualität angesiedelt sind. Die Zukunftsweine, die nur einen sehr kleinen Bereich abdecken, liegen zwar noch nicht auf dem gleichen Niveau, aber die Tendenz die Qualitäts- und Geschmacksstufen zu erreichen war zu erkennen,“ resümierte Wolfgang Gottwald unter dankbarem Applaus der Versammlung.

